Erfolgreiche Vitalisierung von Bäumen dank Splittzylinder
Inhalt
Bäume wachsen dort, wo der Boden feucht ist. Dieser natürliche Prozess heißt Hydrotropismus: Wurzeln suchen gezielt nach Wasser. Wird jedoch nur oberflächlich gegossen und das Wasser dringt nicht in tiefere Schichten ein, bleiben die Wurzeln flach und können sich nicht fest verankern. Dasselbe passiert, wenn eine harte Bodenschicht das Durchdringen verhindert und die Wurzeln nicht bis zum Grundwasser reichen. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Mitarbeitende der Abteilung Biomechanik um Prof. Dr. Claus Mattheck deshalb ein Verfahren entwickelt, das Baumwurzeln gezielt in tiefere, feuchtere Bodenschichten leitet. An einem praktischen Beispiel wird nun gezeigt, wie erfolgreich diese Methode sein kann.
Inhalt
Bepflanzung des Parkplatzes 2012
Im Jahr 2012 wurde der Parkplatz einer Aue in Nordrhein-Westfalen neugestaltet. Dabei pflanzte man 38 Sophora japonica. Wichtige Faktoren wurden dabei jedoch nicht berücksichtigt:
- Verwendung eines unbekannten Substrats
- Fehlender Anfahrtschutz
- kein thermischer Stammschutz
Dies führte zu erheblichen Bodenverdichtungen und thermischen Schäden an den Stämmen. Schon nach wenigen Jahren zeigten die Kronen deutliche Schäden, wie lichte Kronen, vorzeitigen Laubabwurf oder auch hohes Totholzaufkommen.


2023: Vitalisierungsversuche
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wurden im August 2023 Vitalisierungsversuche durchgeführt. Der Impuls dazu kam von Oliver Heidelberg, Sachverständiger für Umweltbaubegleitung und baumfachliche Begleitung der Stadt. Maßgeblich war er an der Umsetzung der von Mattheck entwickelten Methode beteiligt. Bei 11 Bäumen installierte man sogenannte Splittzylinder. Pro Baum wurden vier Zylinder im Traufbereich eingebaut, jeweils mit 30 cm Durchmesser und 1 m Tiefe. Um den Wirkungsgrad zu prüfen, erhielten die Zylinder unterschiedliche Befüllungen:
- Bäume 1 bis 5: Kalkstein 32/56, Terra Preta Erde, Mykorrhiza
- Bäume 6 und 8: Kalkstein 32/56, Terra Preta, Mykorrhiza, Oscorna Hornamon
- Bäume 7,9,10,11: Kalkstein, Terra Preta, Oscorna Hornamon
Ergebnisse nach zwei Jahren
Alle mit Splittzylindern ausgestatteten Bäume zeigen deutliche Anzeichen einer Vitalisierung. Totholz ist nicht mehr vorhanden, die Zuwächse sind deutlich und der vorzeitige Laubfall bleibt aus. Nach zwei Jahren sind die Unterschiede zu unbehandelten Bäumen klar erkennbar und auch für Laien offensichtlich. Zudem weisen die behandelten Bäume eine sattere Blattfarbe auf. Unterschiede zwischen den verschiedenen Befüllungen zeigten sich bislang nicht.


Vorgehensweise beim Einbau von Splittzylindern
Ein Splittzylinder besteht aus einer 20 bis 30 cm breiten Erdbohrung. Diese wird mit einer Mischung aus grobem Splitt und Inkaerde (Terra Preta) gefüllt. Die fruchtbare Inkaerde fördert das Wurzelwachstum in die lockere Splittsäule und leitet es in tiefere Bodenschichten. So ist es für die Wurzeln möglich, die harte Bodenschicht zu durchdringen. In tieferen Bodenschichten ist der Feuchtegehalt höher als im Oberboden.

Die Beobachtungen zeigen, dass gezielte Maßnahmen wie Splittzylinder die Vitalität von Bäumen langfristig verbessern können.
Weitere Informationen können im Buch „Klimafester Baum“ von Prof. Dr. Claus Mattheck nachgelesen werden.
Prof. Dr. Claus Mattheck ist neben den Splittzylindern auch für die VTA-Methode (visuelle Baumkontrolle) bekannt. Von seiner langjährigen Erfahrung und Expertise können Sie in unseren Seminaren profitieren. Jetzt informieren und anmelden! https://www.iml.de/seminare/
