Holzanalyse: Warum Messkurven abflachen können

Holzanalyse: Warum Messkurven abflachen können

Abflachungen in einer Messkurve können unterschiedliche Ursachen haben. Hauptsächlich verringern Defekte wie Fäule oder Pilzbefall den Bohrwiderstand und führen dadurch zu einer Abflachung der Kurve. Eine weitere mögliche Ursache kann tangentiales Bohren sein. Dabei wird nicht radial durch den Holzkern gebohrt, sondern schräg entlang der Jahrringe. Die Bohrnadel trifft die Jahrringe dabei in einem Winkel von deutlich weniger als 90°. Das Standardverfahren, bei dem in Richtung des Holzzentrums gebohrt wird, wird als radiales Bohren bezeichnet.

Beim tangentialen Bohren entstehen Abflachungen in der Messkurve, weil die Nadel nicht mehr senkrecht die harten Spätholzzonen durchschneidet. Je stärker die Bohrung vom radialen Verlauf abweicht, desto länger kann die Nadel in einer einzelnen Zone (oft dem weicheren Frühholz) verbleiben, wodurch die Abflachung in der Kurve länger ausfällt. Gleichzeitig sind die einzelnen Jahrringe in der Messkurve weniger deutlich oder gar nicht mehr erkennbar.

Für die Interpretation ist ein grundlegendes Verständnis der Jahrringstruktur bei Nadel- und Laubbäumen Grundvoraussetzung:

  • Nadelbäume sind bekannt für ihre regelmäßige Struktur und die Deutlichkeit ihrer Jahrringe. Die Ringe lassen sich durch den markanten Übergang von hellem Frühholz zu dunklem Spätholz gut voneinander abgrenzen. Der Holzaufbau ist vergleichsweise gleichmäßig und besteht überwiegend aus Tracheiden.
  • Laubbäume hingegen weisen eine komplexere Struktur auf, die je nach Art variiert. Einige Arten wie Eiche oder Esche nennt man “ringporig”. Diese Bäume bilden im Frühholz große Poren, die als heller, weitlumiger Ring sichtbar sind. Auf diesen folgt dichteres Spätholz. Dadurch entstehen markante und in der Kurve gut erkennbare Amplituden.
  • Andere Laubbäume, beispielsweise Buche oder Birke, sind “zerstreuporig”. Hier sind die Poren über den ganzen Ring verteilt, weshalb die Jahrringe schwerer zu erkennen und weniger kontrastreich sind. Dies spiegelt sich in der Messkurve wider: Nicht immer ist bei diesen Arten eine klare Jahrringstruktur sichtbar.

Zudem spielt die Geografie eine Rolle: In tropischen Gebieten ohne ausgeprägte Jahreszeiten bilden Bäume häufig keine oder nur schwach ausgeprägte Wachstumsringe.

Fazit: Abflachungen sind nicht zwangsläufig auf einen Defekt zurückzuführen. Die Interpretation hängt von der Holzart und dem Bohrwinkel ab. Tritt eine Abflachung auf, sollten daher verschiedene Faktoren geprüft werden, unter anderem der Verlauf der Bohrung.

  • Bohrung möglichst senkrecht zu den Jahrringen ansetzen.
  • Immer eine scharfe Bohrnadel verwenden (verhindert Auslenkung).
  • Gerät während der Bohrung ruhig halten (keine Winkeländerung).